DHEA, Anti-Aging und Anti-Alterung: Was gibt es Neues?

Zur Erinnerung: DHEA (oder Dehydroepiandrosteron) ist ein anaboler Steroidhormon, den die Nebennieren des Menschen  naturgemäß vom Cholesterin aus produzieren. Im Organismus, insbesondere im Gehirn findet man Nebennieren, Eierstöcke, Hoden, Fettgewebe, Haut und Blut in Form von DHEA-Sulfat (S-DHEA). DHEA kann dem Organismus Nutzen bringen als Ausgangsmaterial zur Produktion anderer Hormone wie Östrogen und Testosteron.

Obwohl DHEA in den Medien und in der breiten Öffentlichkeit Schlagzeilen aufgrund seiner angeblichen Anti-Aging-Effekte gemacht hat, berichten zahlreiche jüngste Studien, dass die Wirksamkeit von DHEA für jegliche therapeutische Zwecke noch nicht zufriedenstellend bewiesen ist.

Gehen wir die verschiedenen Anwendungsgebiete bezüglich der « Anti-Aging »-Medizin, also der Anti-Aging-Effekte von DHEA durch.

DHEA und das Altern aus neuromuskulärer Perspektive

Auch wenn einige Forschungen und Veröffentlichungen zugunsten von DHEA in medizinischen Zeitschriften etwas Hoffung erweckt haben, indem man DHEA wie ein "Jungbrunnen" geschildert hat, sind die Ergebnisse klinischer Tests in Wirklichkeit eher widersprüchlich. Keine Verbesserungseffekte der Muskulaturleistung und des Ausdauerns dank DHEA; keine Veränderung in der Sportleistung durch DHEA (auch keine Veränderung beim Aufbau der Bauchmuskulatur!).

DHEA und Osteoporose

Die Studie, die den Verkauf von DHEA in die Höhe getrieben hat, wurde von Herrn Dr. Étienne-Émile Baulieu geleitet und 2000 veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser placebokontrollierten Doppelblindstudie, vom nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (Frankreich) an 280 Personen (Männer und Frauen) im Alter von 60 bis 79 Jahre durchgeführt, haben gezeigt, dass eine tägliche Verabreichung von 50 mg DHEA über ein Jahr den Knochenmetabolismus bei Frauen über 70 Jahre verbessern konnte. In einer Zusammenfassung klinischer Studien zu diesem Thema, zogen französische Forscher 2001 jedoch die Schlussfolgerung, dass man zunächst keine ausreichende Beweise hatte, um DHEA bei der Behandlung von Menopause-Symptomen zu empfehlen.

DHEA und Depression

Die Ergebnisse einer epidemiologischen Studie, die an ca. 700 Frauen in den Wechseljahren durchgeführt wurde, haben ermöglicht, einen direkten Zusammenhang zwischen Depression und einem niedrigen DHEA-Wert im Organismus festzustellen. Die Ergebnisse zweier vorangehenden placebokontrollierten Doppelblindstudien (37 Patienten insgesamt) legen es nahe, dass die Einnahme von 90 mg DHEA am Tag über sechs Wochen den Zustand von Patienten verbessern kann, die an starker Depression leiden.

DHEA und Sexualität

Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie, die an 22 Frauen in der Menopause durchgeführt wurde, hat bewiesen, dass die Verabreichung einer einzigen und sehr hohen Dose (300 mg) DHEA eine positive Wirkung auf die sexuelle Erregbarkeit hat. Die Ergebnisse einer 1999 veröffentlichten placebokontrollierten Doppelblindstudie zeigt, dass die Einnahme von 50 mg DHEA täglich über sechs Monate die Sexualität der Männer verbessern kann, die an Erektionsstörungen leiden, die einem hohen Blutdruck zuzuschreiben sind, sowie die Sexualität der Männer, deren sexuelle Störung keine pathologische Ursache hat.

 

DHEA und kardiovaskulärer Schutz

Die Autoren einer Studie, die an 20 Frauen in den Wechseljahren durchgeführt wurde, die entweder mit einem Placebo oder mit 25 mg DHEA am Tag über ein Jahr behandelt wurden, haben berichtet, dass diese Behandlung positive Auswirkungen auf manche der physiologischen Parameter hatte, die verbunden sind mit dem Risiko, kardiovaskuläre Probleme nach der Menopause zu bekommen. Die Ergebnisse einer placebokontrollierten Doppelblindstudie, die an 24 Männern in ihren 50ern durchgeführt wurde, die an Hypercholesterinämie (zu hohem Chloresterinspiegel im Blut) leiden, zeigen, dass die DHEA-Ergänzung die Risiken für kardiovaskuläre Störungen senken kann. Selbst die 2000 veröffentlichte Studie von Dr. Ètienne-Èmilie Baulieu hat jedoch dies widersprochen und eine Senkung des HDL-Cholesterin-Wertes (des „guten“ Cholesterins, dessen Spiegel, wenn hoch, mit einem niedrigen Risiko für Herzkrankheiten verbunden werden kann) und daher ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten sowie kardiovaskuläre Sterblichkeit gezeigt!

DHEA und kognitive Funktionen

Daraus wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass die Annahme, dass DHEA die kognitiven Funktionen fördert, zunächst nicht bestätigt werden konnte.   Kontraindikationen

Personen unter dreißig Jahren, schwangeren oder stillenden Frauen, an Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs oder Prostata-Krebs leidende Personen wird von einer DHEA-Einnahme abgeraten.

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung von DHEA

 

Die Dosierung ist personabhängig. Erstens produziert nicht jeder Mensch die gleiche Menge an DHEA. Darüber hinaus haben Lebensart, Eigenanamnese und Stoffwechsel Einfluss auf die Anwendung von DHEA. In Frankreich z.B. wird eine Analyse des DHEA-Spiegels vorgenommen, bevor man dieses Medikament verschreibt. In den Vereinigten Staaten beträgt die empfohlene tägliche Dosis in der Regel 25 mg für Frauen und 50 mg für Männer. Die Wirkungen lassen sich innerhalb von vier bis sechs Monate spüren. Spezialisten empfehlen nachdrücklich, dass Sie Ihren behandelnden Arzt informieren und  sich regelmäßig vorsorglich untersuchen lassen, insbesondere auf Prostata-Krebs, bevor Sie DHEA einnehmen.

Dosierung von DHEA-S

ALTER (Jahre) FRAUEN (ng/ml) MÄNNER (ng/ml)
15-20 500-4000 750-5300
21-30 700-4250 1240-5500
31-40 650-4200 1000-5100
41-50 500-3750 750-4750
51-60 350-3000 700-3850
61-70 200-2150 500-2800
71-80 125-1500 400-1900

 

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien verschiedener Forscher, die sich mit DHEA in Frankreich und anderswo befasst haben, sind zwiespaltig; es besteht weiterhin Ungewissheit über die Wirkungsweise von DHEA sowie über die Realisierung der Umwandlung vom im Handel erhältlichen Pflanzenwirkstoff Diosgenin zu DHEA im menschlichen Körper.
Wenn wir einen Anhaltspunkt aus unseren Erfahrungen in der Stadtmedizin erwähnen müssten, könnten wir den Fall von Frauen in den Wechseljahren erwähnen, die Asthenie und depressive psychosexuelle Störungen aufweisen, umso mehr wenn diese mit einer etwas verzögerten Funktion der Nebennieren eng zusammenhängen. Eine Ergänzung von 50 mg DHEA oder besser von Keto-DHEA kann über einen kurzen Zeitraum von 3 bis 6 Monaten in Betracht gezogen werden. Davor muss die Messung des DHEA-Blut-Spiegels, dessen von den Labors geliefertes statistisches Schema sehr breit ist, vorgenommen werden. Aber Vorsicht: die langfristigen Wirkungen einer Ergänzung von DHEA sind unbekannt. Im Lichte des heutigen Wissens sollte eine Behandlung mit DHEA über einen langen Zeitraum vorgenommen werden nur bei regelmäßiger Überprüfung der Cholesterin- und Steroidblutwerte, der Glukoseverträglichkeit und des möglichen Auftretens krebsartiger Zellen. Eine Risikozunahme für hormonabhängige Tumoren (z.B. Brustkrebs, Prostatakrebs) ist möglich.  
Beim heutigen Stand der Dinge ist DHEA nicht der Jungbrunnen, von dem die Presse viel berichtete. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis von DHEA ist noch unbekannt. Es gibt keine ausreichenden Belege für einen Nutzen von DHEA hinsichlich der Vorbeugung gegen Alterungseffekte.

Literaturhinweis

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 20. Dezember 2010 um 22:23 Uhr
 
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